Dunkel war’s, der Mond schien helle – Koboldt 2019

Wo fängt man jetzt am besten an? Na ganz von vorn. Das gilt nicht nur für den Bericht, sondern auch für mein läuferisches Leben. Es lief überhaupt nicht mehr. Ständige DNF’s gaben sich die Klinke in die Hand. Also, back to the roots. Alles auf Anfang. Total Reset. Trotz allem wollte ich den Koboldt laufen. Ach, was bin ich doch für ein Idiot. Nun gut, fangen wir an.

 

Der KOBOLDT

Ein Ultralauf von Läufern für Läufer. Einer der schönsten und härtesten ITRA Punkteläufen in Deutschland (lt. Hompage und es stimmt). Es werden 3 Distanzen angeboten. 73k /100k/ 140k.  Ich wollte die 100k laufen, welche immerhin 3400 hm mitbringen. Nicht schlecht für einen Lauf auf dem Rheinsteig entlang des Rheins. 2-mal war ich dort. 2-mal bin ich gescheitert. Aller guten Dinge sind 3 ?! Geplant war mit Tanja, einer Lauffreundin, die Nummer zusammen zu wuppen. Daniel und Dome waren zur moralischen Unterstützung dabei und wollten und auf der Strecke anfeuern. Vorweg sei gesagt: die beiden machten einen Mega-Job. Aber genug des Vorgeplänkels. Fangen wir mit dem Laufen an.

 

Start bis V1 34km (zum Teufel mit dem Kopf)

Wir werden pünktlich um 14:00 auf die Strecke geschickt. Die ersten 3km gehts bergab. Zum Einrollen. Mag ich nicht. Nein überhaupt nicht. Soll heißen: ich finde überhaupt nicht zum Laufen. Na toll. Geht ja gut los. Es ist warm. Die Jacke wird ausgezogen. Besser. Aber mit dem Laufen wills immer noch nicht so recht klappen. Und ausgerechnet jetzt kommt dieser Streckenabschnitt den ich nicht mag. Breite Wege.


Weinberge. Bäh. Ich sehne mich nach den, für mich persönlich, viel schöneren Abschnitten die später kommen. Daniel hat mir immer gesagt: Junge, Du hast NUR n Kopfproblem. Das fällt mir plötzlich wieder ein. Und meine Jungs stehen da an der Strecke und wollen sich die Nacht um die Ohren schlagen. Komm, teil Dir die Nummer in Abschnitte ein. Das tu ich und plötzlich läufts wie von allein. Ruckzuck ist dieser erste Abschnitt erledigt. Wir treffen das erste Mal auf das Doppel D (Daniel & Dome). Sie feuern uns an, pushen uns. Wir sind kurz vor V1 und sehr gut in der Zeit. Mittlerweile haben wir die Stirnlampen an und wissen das wir sie bis zum Ziel aufhaben werden. Definitiv.

V1 – V2 ca. 22km (wie, bis nach Bonn??!!)

Kurz an der V verpflegt und weiter. Das hier ist ein extrem wichtiger Punkt für mich. In den letzten 2 Jahren bin ich hier raus. Und jetzt, lauf ich weiter. Und wie. Wir haben den Rhytmus gefunden. Haben uns eingerollt und machen km um km. Die Anstiege werden konsequent hochgegangen weil wir wissen was kommen wird. Wir wissen auch, wenn wir bis zu V2 an der Erpeler Ley gut in der Zeit kommen ist das tatsächlich ein Riesenschritt. Vorbei am Schloss Dattenberg und durch die Innenstadt von Linz. Einige Nachtschwärmer sind in der Stadt unterwegs und fragen uns was wir denn hier machen. Auf unsere Antwort ernten wir große Augen die uns ungläubig anstarren und auch mal ein Kopfschütteln. “Bis nach Bonn?!” Ha, herrlich. Da steht auch plötzlich wieder das Doppel D. Tut richtig gut die beiden hier zu sehen.

Es macht jetzt Spaß hier zu laufen. Ich fühle mich richtig fantaschtisch. Die Beine machen das was sie sollen ohne zu Mucken. Der Flow ist da. Ich fühl mich unbesiegbar. Ein Gefühl das sich noch bis zur V2 halten soll. Und diesen Flow brauch ich auch denn es geht jetzt hoch zur Erpeler Ley. Steile Stufen müssen überwunden werden. So genau das richtige um den Rhytmus zu zerstören. Nö, heut kriegst Du mich nicht denk ich mir noch so.

 

Ultraläufer sind scho n seltsames Volk 🙂
V2 mit Kamin
Nachtblick
Weihnachtslichter in Linz

Unser Doppel D ist recht überrascht als wir in die V einlaufen. Irgendwie müssen wir wohl fix gewesen sein auf dem letzten Abschnitt. Aber mei, wenn’s halt läuft.

V2 – V3 ca 22km (The Unforgettable Fire)

Der Rheinsteig ist ein kleiner fieser Kerl. Das müsst Ihr wissen. Denn wo kommen diese Höhenmeter her?

Klar, bergauf. Problem hier: die Anstiege sind so kurz das man (in dem Fall Ich) gar nicht erst seinen Uphillrythmus findet. Bist Du kurz davor gehts auch schon wieder runter. Dafür sind halt viele kleine, giftige Stiege drin. Völlig sinnlos rauf und runter :))

Jedenfalls sitzen wir in der V2 und wissen es sind nur noch 45 to go. Nur noch, *brüll*. Ok, Ultraläufer sind schon komisch. Wir sind immer noch super was die Zeit angeht. Es ist grad mal 23:00. Wir essen was und dann gehts richtig in die Nacht. Es wird jetzt doch etwas frischer. Vor uns liegen noch ca 5 km bevor es ins Siebengebirge reingeht. Und hier geht die Post dann richtig ab. Himmerich, Löwenburg, Breiberge, Drachenfels, Geisberg, Petersberg. Allesamt fiese Gesellen; zumindest wenn man schon mehr als 50 km in den Knochen hat. Pfui Pfui Pfui. Ich fühle mich pudelwohl. Ja, man merkt natürlich das man schon was unterwegs ist aber alles läuft so unglaublich gut.

Mir geht seit ca 3 Stunden dieser U2 Song (The Unforgettable Fire) nicht mehr aus dem Kopf. Ständig singe ich den still in mich hinein. Der passt irgendwie total gut in diese Stimmung im Wald. Das wir plötzlich dabei sind den Himmerich hochzustapfen bemerke ich erst als die Schenkel anfangen zu brennen. Hoch gehts. Und kurz drauf, wer weiß es. Jo, wieder runter. 🙂 Irgendwann mitten in der Nacht sagt Tanja, es seien noch 35 km. Ich glaube zu dem Zeitpunkt war uns beiden klar das wir das Ding nach Hause bringen; weil wir es wollten. Im Wald raschelt es immer wieder. Wildschweine? Keine Ahnung. Nen Kauz haben wir gehört und noch einen ziemlich großen Vogel gesehen. Nachts laufen ist doch irgendwie schön. Vor allem bei den Bedingungen. Sternenklar. Dunkel und der Mond scheint helle.

Hoch gehts zur Löwenburg um danach über die Breiberge nach Rhöndorf zur V3 zu kommen. Das ganze etwa um kurz nach 4. Und wer wartet an der V? Richtig das Doppel D

V3 – Ziel ca. (na wer räts?) 22km

Was hätte jetzt noch passieren müssen um mir das Finish zu versauen? Seien wir ehrlich, es kann immer alles passieren. Safe ist bei nem Ultra nix. Aber der Kopf. Der Kopf war wach. Hellwach. Er war da. Seit dem Start bis hier. Voll da. Und fest entschlossen hier zu finishen. Warum? Weil ich tief in mir wusste das ich es kann. Nur muss man es auch mal zwischendurch merken.

Von der V3 weg gehts hoch zum Drachenfels. Ich hätt Euch gern ein Foto vom beleuchteten Schloss gezeigt aber irgendwer hat da wohl die letzte Stromrechnung nicht bezahlt. Dunkel. Ihr könnts ja mal gogglen. Sieht echt nett aus. Es wird jetzt wirklich frisch. Na, kühl. Vorbei am Milchhäuschen und rauf auf den Geisberg. Dort oben steht eine kleine Hütte. Eher ein Unterstand. Von hier hat man einen richtig schönen Blick. Es ist uns aber zu frisch. Auf Auskühlen haben wir so gar keine Lust.



Also schnell weiter Richtung Petersberg. Hier hätten wir uns beinahe noch verlaufen weil wir im Trott nicht auf die Beschilderung geachtet haben. Am Kloster Heisterbach ca 10km vor dem Ziel standen zwei völlig müde und kaltgewordene Typen rum. Richtig, Doppel D war auch wieder da. Sie pushten nochmal richtig und wussten genau wie wir.

Das Ding ist durch.



Nach etwas mehr als 19 Stunden war der Koboldt erlegt. Und ich bin endlich wieder da:))

 

Bedanken mag ich mich aber auch noch.

Zuerst bei Tanja, die es soooooo lange mit mir ausgehalten hat. Bei den Veranstaltern des Kobolts. Jahr für Jahr eine fantastische Orga von A-Z. Bei unserem Laufteam WeRun4Fun, wo wir uns gegenseitig immer wieder anfeuern und pushen. Uuuuund, vor allem bei Dani und Dome. Ihr habt maßgeblichen Anteil am positiven Ende der Mission “Bring den Waxl wieder in die Spur”.

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