Sylvester 2020 – 100km Corona Edition

Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes. Wettkämpfe die aufgrund Corona abgesagt werden mussten, Beschränkungen hier und da. Jeder von uns musste in irgendeiner Form zurückstecken. Aber ist das ein Grund nicht trotzdem etwas total verrücktes zu tun?

NEIN.

Das Warum?

Bianca und ich waren laufen. Sie hatte schon mehrfach einige Ultras gelaufen und ich ließ beiläufig den Satz fallen, “Mädel, Du bischt reif für die 100”. Hätte ich gewusst was ich damit anrichte….ich hätte es nochmal gesagt 🙂 Und plötzlich stand die Idee, man könne doch an Sylvester 100km laufen. So als gelungener Jahresabschluss. Ich gebe zu, irgendwie schon gestört. Aber das sollte nicht weiter interessieren. Sabine hatte mittlerweile Wind davon bekommen und da beide den TAR zusammen laufen werden war es klar, Sabine kommt mit. Schnell war eine passende Strecke gefunden. S´Äpple, ein Rundweg um Backnang herum. Mit Zuweg und Rückweg kommen wir ziemlich genau auf 100. Freunde Familie und Bekannte der beiden hatten sich dazu bereit erklärt uns 7 V`s zu errichten um uns zu verpflegen. Also, der Plan stand.

Tag X

So standen wir Sylvestermorgen um 5:00 vor der Tür und wussten, jetzt gehts  los. Unser Zeitfenster war begrenzt. Die Ausgangsbeschränkungen in Baden-Württemberg schrieben vor das wir um 20:00 wieder daheim sein mussten. 100km mit ca. 2000hm. Respekt ja, Angst nö. Ich war als Option dabei die beiden in den Phasen wo es nicht so gut laufen sollte etwas zu bespassen und bei Laune zu halten. Da ich ja von Natur aus die “Gute-Laune-Maschine” (Ironiemodusoff) 😉 bin, die perfekte Wahl. Ich war müde. Die beiden hellwach. Wir liefen also den Zuweg und mussten auf den teilweise glatten Wegen echt bissle aufpassen. Relativ schnell waren wir auf dem eigentlichen Weg und der Spaß ging los.

Die ersten 30 km waren relativ schnell abgespult und den ersten V hatten wir auch schon hinter uns. Es war frisch aber nicht zu kalt. Und mit dem Wetter hatten wir wirklich Glück. Ein wunderschöner Sonnenaufgang in den Weinbergen entschädigt für kalte Hände.

Die Stimmung passte. Wir harmonierten richtig gut. Ich schaute öfter mal auf die Uhr um zu sehen ob sich das mit dem Zeitfenster ausgehen könnte. Bis hierher passte alles. Wir waren zwischenzeitlich sogar auf deutlich unter 14 Stunden. Das dies nicht so bleiben würde war klar. Aber alles was man an Puffer aufbauen kann ist später ein Dankbarer Freund.

Schnell war die zweite V bei 50km erreicht.

Was soll ich sagen: Kaffee, Brezen, Blaubeermuffins, Kartoffeln…. halt alles was man so braucht.

Es lief perfekt. Bis auf Sabines Uhr. Die meinte bei km 50 sie müsse schon 57 anzeigen. Ne ne, ganz soweit waren wir noch nicht. Aber die km sind einfach so an uns vorbeigeflogen. An jeder V ein Feuerwerk für Magen und Gaumen. Bombenstimmung egal wo wir hinkamen. Ich habe selten so eine Hilfsbereitschaft und ein Mitfiebern erlebt. Ohne die Helfer an der Strecke wäre es definiv nicht so gelaufen! 

 

Jetzt kamen zwei Abschnitte die für saubere, geputzte Schuhe ein Horror gewesen wären. Matschepampe deluxe. Herrlich. Die Strecke an sich war schön. Immer wieder wechselten sich Waldpassagen und Feldwege ab. Zwischendurch gab es Traileinlagen mit Wasser, Matsch Wurzeln und allem was dazu gehört.

   

  1. Das Wetter wurde etwas schlechter. Heißt, es zog sich etwas zu und zwischendurch began es etwas zu nieseln. Das sollte uns aber nicht stören denn km 70 war erreicht und damit das Kaminzimmer. Man hatte uns die Möglichkeit gegeben unsere wechselsachen zu deponieren und uns im trockenen umzuziehen. VOR EINEM KAMIN!!!!!! Ich kann Euch sagen. Wenn man da so steht und sich umzieht und die ganzen Leckereien sieht die aufgefahren wurden, fällt es schon n bissle schwer weiterzulaufen. Aber wir wussten es ist nicht mehr weit.

   

Nicht mehr weit. Das ist so ein dehnbarer Begriff und bei Ultraläufern sollte man auf “nicht mehr weit” eh  etwas vorsichtig reagieren.

Die beiden Mädels waren immer noch super drauf und ich fragte mich wann es wohl passieren würde das eine oder im schlimmsten Fall beide ein kleines Tief bekommen. Viel Zeit blieb ja nicht mehr.

Bei km 80 holten wir die Stirnlampen wieder raus und machten sie zum zweiten Mal an diesem Tag an. Es wurde wieder dunkel und mit der Dunkelheit kommt meist der müde Punkt, oder? Nein, bei uns nicht. Ein paar Mal haben wir uns verlaufen, weil die Uhr nicht immer genau anzeigte wo wir lang müssen und die Beschilderung wirklich zu wünschen übrig läßt. 

Wir waren mittlerweile im Ultraschlappschritt angekommen. Sinnbefreit einen Fuß vor den anderen. Eigentlich ganz einfach 🙂 Bei ca. km 92 hatten wir nochmal das VP Vergnügen und seien wir ehrlich: Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich klar das die beiden sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen. Trotzdem hielt ich meinen Mund und Bianca und Sabine wollten da, zumindest offen, auch noch nicht drüber reden, glaube ich. 

     

Es began jetzt zu regnen. Nicht stark aber nach fast 14 Stunden auf den Beinen und frischen Temperaturen ist das dann auch kein Zuckerschlecken mehr. Meine Hüfte begann zu Schmerzen und mit laufen war bei mir nicht mehr viel. Bianca und Sabine hüpften wie zwei Rehe über die Strecke. Ok, ältere Rehe aber sie liefen. 🙂

Sabines Uhr war ja eh jeneits von Gut und Böse und Bianca wollte logischerweise die 100 auf der Uhr stehen haben. Meine zeigete auch schon 2 km mehr an. Klar war auch: laufen wir einfach nur zurück würde Bianca keine 100 auf der Uhr stehen haben. Das geht natürlich gar nicht 😉 Also, sind die beiden immer ein Stück vorgelaufen und wieder zurückgekommen. Meter machen und den alten Mann nicht zurück lassen 😉

Wie gedacht hatten wir an den VP´s ordentlich Zeit liegen gelassen. Aber es ging ja auch nicht um die Zeit. Einzig das ankommen war entscheidend. Und das, war jetzt keine Frage mehr. Jetzt war es geschafft.

Nach gut 14,5 Stunden hatten beide Ihren ersten 100´er im Sack!!!!!!

Es ist bzw. sollte immer ein Erlebnis sein so etwas machen zu dürfen. Egal ob 1km oder 10 oder Marathon oder auch solche Distanzen. Für die beiden natürlich ein noch größeres da es ja der erste war. Wir sind gelaufen, wir sind gegangen. Wir haben gesprochen, wir haben geschwiegen. Wir hatten schöne Abschnitte mit einem wunderschönen Sonnenaufgang, wir hatten nicht ganz so schöne Ecken (Oppenweiler im Regen 😉 ). Wir hatten die BESTEN Supporter die man sich nur vorstellen kann. Wir sind im Grunde von den Helfern ins Ziel getragen worden.

DANKE!!!!!  Ihr ward mega  

Und zu guterletzt: Ich durfte mit den zwei nettesten, verrücktesten, gestörtesten, einfach perfektesten Menschen dieses Lauferlebnis teilen. Auf der gesamten Strecke gab es kein Tief. Kein “ich kann nicht mehr, lass mal Pause machen”, kein “ich glaub nicht das wir da schaffen”. Ich bin so dankbar für dieses Erlebnis. Das ich das live miterleben konnte, wie unfassbar geil die beiden das gerockt haben. Wann werden die Mädels das wohl kapieren, was sie da geleistet haben? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht heute, morgen…. Aber mit den beiden gestörte Dinge tun, sofort wieder.

Bianca, Sabine Ihr seid der absolute Knaller!!!!!

Und jetzt geh ich glaub ne Runde laufen;) Frohes neues Jahr

 

 

 

 

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