Dynamit Transalpine Run

Mir fehlen eigentlich noch die richtigen Worte. In meinem Kopf ist alles noch etwas durcheinander und es ist unglaublich, was wir da geschafft haben.
Das wir überhaupt starten konnten, nach Angi‘s Bänderriss am 30.07.21, gleicht einem Wunder.
Wir hatten den Transalpine Run schon abgeschrieben und wollten absagen.
Nach einigen Diskussionen, haben wir uns entschieden doch zu starten.
Uns war klar, es gibt nur ein Ziel irgendwie gemeinsam anzukommen, wenn Angi’s Fuß dies mitmacht. Aber mal ehrlich, wenn ich an die ersten Laufversuche nach Angi’s Bänderriss denke, konnte ich mir den TAR nicht vorstellen. Das sah echt furchtbar (schei….) aus. Der TAR ist eine Knochenmühle, sieben Tage volle Belastung für den Körper und die Psyche.
Also sind wir am Freitag 03.09.21 mit unserem Freund und Wohnmobil Fahrer Nobbe und unserem Hund Nandor in das Abenteuer TAR 2021 gestartet.
Zum einchecken ging es nach Hirschegg ins kleine Walsertal.
Du kommst da an und fühlst dich wohl, es ist wie eine große Familie, strahlende Gesichter, man trifft bekannte und natürlich unsere Teams von WeRun4Fun.
Besonders hat mich gefreut, dass Schorsch (Georg) der älteste Teilnehmer mit 71 Jahren und Markus aus der Schweiz auch wieder dabei waren.
Da bin ich mit 65 Jahren noch ein Jüngling.
Acht Teams von WeRun4Fun hatten sich angemeldet und mit unserer Vereinskleidung fallen wir sowieso überall auf.
 

Tag 1

Die erste Etappe ging von Hirschegg nach Lech am Arlberg.
Als das Lied „Highway to hell“ erklang, da war es wieder, das Kribbeln, die Freude, die Anspannung dabei zu sein und schon ging’s pünktlich um 9 Uhr los.
Wer meinte es gibt eine lockere Etappe zum Einlaufen, der hatte sich gewaltig getäuscht. Die 31,7 km und 1.900Hm + und 1.500HM – hatten es in sich.
Zur Widdersteinhütte auf 2012 Meter hoch, runter auf 1442 Meter zur VP2, wieder hoch auf den Mohnsattel bei 2313 Meter und Downhill nach Lech. Da waren ein paar knackige Kletter Passagen dabei.
Egal, erste Etappe im Sack, Angi’s Fuß hat gehalten und so waren wir nicht unzufrieden.
 
Tag 2
 
Zweite Etappe von Lech nach St.Anton mit 28,7 km war die einzige Etappe, mit der selben Streckenführung wie beim TAR 2019. Auf den Rüfikopf hoch, runter zur VP1 am Flexenpass und wieder einen Anstieg zur Ulmer Hütte, dann zur Bergstation Galzigbahn und Abstieg nach St. Anton.
Zwei Etappen geschafft, wir waren im Rennen angekommen.

Tag 3

Etappe 3 wurde schon vorab als schwierig angekündigt. Der Weg von St. Anton nach Galtür mit 34 km sollte eine nicht einfache Kletter Passage enthalten.
Ich hatte ganz andere Probleme, mir war es kotzübel und ich quälte mich Kilometer für Kilometer voran. Dachte schon kurz ans aussteigen. Ne geht garnicht!
Angi läuft mit Bänderriss, also ist durch kämpfen angesagt. Nach 12 km an der Darmstädterhütte an der VP1, kam die Rettung in Form einer Rinderbrühe. Ab da ging’s mir etwas besser. Waren ja nur noch 22 km bis ins Ziel. Humor ist wenn man trotzdem lacht und läuft.
Also hoch zum Kuchenjöchli auf eine Höhe von 2730 Meter. Runter ins Fasultal in Richtung Schafbichljöchli, dass eine gefühlte Ewigkeit nicht kommen wollte. Oben angekommen sehnten wir der VP2 entgegen, die einfach nicht kommen wollte. Dann stand auf einmal unser Fahrer Nobbe vor uns. Er war uns entgegen gelaufen. Wir fragten ihn, wann denn die VP kommt. Er meinte gleich um die Ecke, okay er hat zwei oder drei Ecken weggelassen. Dann sahen wir die VP, schnell was gegessen, Wasser aufgefüllt und weiter ging’s. Kleiner Anstieg noch und runter ging’s nach Galtür ins Ziel.

Tag 4

Etappe 4 von Galtür nach Klosters in die Schweiz. So richtig gut ging’s mir immer noch nicht. Mein Frühstück bestand aus einer Gemüsebrühe und Tee. Kein Kaffee, dass geht eigentlich garnicht.
Dann hat Angi mir noch so komische Magentropfen verabreicht. Na ja, die Etappe hatte nur 42,3 km und 2.030 HM+ und 2.420 HM-.
Zum ersten mal sind wir ganz am Schluss gestartet, wir waren die Letzten. Die ersten Kilometer waren eigentlich gut zu laufen. Wir schlichen aber langsam bergauf und Angi meinte, so schaffen wir die Zeitlimits nie. Ich meinte nur, Sie soll kein Stress machen, ich brauche noch ne Weile, bis ich richtig laufen kann. Was soll ich sagen, es hat geklappt und wir sind rechtzeitig in Klosters eingelaufen.

Tag 5

Ruhetag bzw. Bergsprint so heißt die 5 Etappe.
Keine Ahnung warum. Mir ging’s wieder richtig gut. Also haben wir es beim Bergsprint krachen lassen, ist sowieso unsere Stärke. Bergauf überholen wir, bergab werden wir überholt. Es lief richtig gut und wir waren zufrieden.

Tag 6

6 Etappe die Königsetappe von Klosters nach Scuol. Mit 46,80 km und 2.300 HM +/-, war die längste Etappe.
Der Anstieg von 1674 HM auf 18,9 km hatte es in sich. Wobei der Abstieg uns viel Zeit gekostet hat. Den Zeitdruck im Rücken und der schwierige Abstieg brachte Angi an ihre körperliche und psychische Grenze.
Sie knallte die Stöcke auf den Boden und schrie, dass schaffen wir nicht und so einen Scheiss mach ich nie wieder.
Was machst in so einem Moment, einfach in die Arme nehmen, erstmal nichts sagen, drücken, Kuss.
Und dann, wir haben es bis hierher geschafft, dass bekommen wir hin.
Kurz nach dieser Aktion kam Martin der Streckenchef vorbei. Ich sagte zu ihm, dass wird knapp bis zur nächsten Zeitmessung. Er schaute mich an und meinte, mach Dir kein Kopf, ich habe gerade das Zeitlimit für die VP aufgehoben. Als wir dann an der VP2 ankamen, hatten wir das Zeitlimit um 7 Minuten überschritten.
Der Druck war weg und bis zur VP3 hatten wir 45 Minuten reingelaufen und lagen jetzt wieder gut in der Zeit. Die Reststrecke war gut zu laufen. So spulten wir km für km runter. Kurzer Halt an der VP4 und der letzte Downhill bis ins Ziel verging wie im Fluge.

Tag 7

Etappe 7 war schon die Finale Etappe.
Da die letzte Etappe wegen Corona gecancelt wurde.
Also Finale von Scuol nach Prad am Stilfserjoch.
Einfach wahnsinnig, wir sind beide noch im Rennen und wenn die Welt nicht untergeht, werden wir das Ziel gemeinsam erreichen.
Nur noch 44 km und 2.290HM+ und 2.640HM- lagen vor unserem Traum.
Gleich nach dem Start ging’s erstmal 1.770 HM+ auf 11 km, zum höchsten Punkt des TAR 2021, zum Gipfel des Fuorcla da Rims auf eine Höhe von 2.975 Meter. Die Aussicht bei bei strahlendem Sonnenschein war überwältigend. Alle waren gut drauf und genossen die letzte Etappe. Kein Gedanken an die Strapazen der letzten Tage. Irgendwie war alles weg gewischt.
Obwohl die letzte Etappe nochmals sehr anspruchsvoll war. Der Abstieg zog sich ewig und es wurde immer wärmer.
Dann der Blick auf Prad. Wir waren kurz vor dem Ziel, jetzt hieß es genießen und allen Emotionen freien lauf lassen.
Es ist einfach irre, was Angi geleistet hat.
 
Zum Schluss ein Dankeschön an alle, die uns begleitet haben, die schönen Gespräche am Start/Ziel und beim Laufen.
Die Aufmunterungen wenn’s mal nicht so gut ging.
Einfach Dankeschön, Dankeschön.
Besonderen Dank gilt unserem Fahrer Nobbe, der uns erst diesen Traum ermöglicht hat. Der unser Wohnmobil mit Hund von Ort zu Ort gefahren hat.
 
Zu den Ergebnissen: Ergebnisse TAR

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