Stubai UltraTrail 2019

„Niemals aufgeben, kämpfen und siegen!“ – ein Mantra, so ungemein passend zum diesjährigen Stubai Ultratrail!

Wir sind einmal mehr live dabei denn seit dem ersten Jahr schon steht dieses PlanB-Event auf der „must run“ Liste unserer Läuferinnen und Läufer. Wo sonst findet man diese explosive Mischung aus brutalen Höhenmetern und wunderschöner Landschaft? Urban 2 Glacier! Raus aus der Stadt ins ewige Eis. Saftige 65km mit über 6.000 Höhenmetern. Von Beginn an war uns klar, hierbei handelt es sich nicht um „unser Downhill Race“. Schande, denn das können Dominik und ich am besten. Kopf aus, Sorgen und Ängste vergessen und über die Steine hinweg gen Tal fliegen. Vollgas! Ballern!! Laufen am Limit des Hobbyläuferlevels.

Es beginnt wie die Jahre zuvor. Die Gladiatoren, sie pilgern nach Neustift, beziehen Quartier und starten mit der Vorbereitung für das Rennen. Heiss soll es werden. Sehr heiss. Und alles muss mit. Zerknirscht packen wir Regenjacke, lange Unterkleidung, Handschuhe und Mütze in unseren Rucksack mit dem Wissen einen Großteil davon unbenutzt auf den Gletscher zu schleppen. Nicht neu für uns und selbstredend fügen wir uns der Entscheidung des Renndirektors … immerhin Laufen wir sowieso nicht um den Sieg sondern für den Spaß und die sportliche Herausforderung. „Herausforderung…“ klingt gut nicht? Rollt sauber von der Zunge dieses Wort… ja. Martin Hafenmair, der PlanB Streckenchef, dem gefällt dieses Wort auch. „Herausforderung“. Herrlich. Nun, ihr müsst wissen, die Jahre zuvor hatte der Stubai-Ultra ab Neustift nicht mehr viel zu bieten … landschaftlich wunderschön zog man bis zur Mutterbergalm ohne großartigen Kontakt zu umliegenden Trails, Hügeln … oder gar Bergen. Forst und Kieswege bestimmten den Weg. Hierfür mussten unsere Freunde in der Organisation viel Kritik einstecken. Und nun … „Herausforderung“ …mmmhhh!… wunderschönes Wort. Nun bekommen all die, die nach den letzten zwei Jahren große Töne spuckten und mit Ihrer Kritik allzu offensiv in den Ring stiegen was sie gefordert hatten, eine Herausforderung. 1.000 Höhenmeter mehr? Kinderspiel! Auch ich hatte das belächelt, wie sollte uns dieses bisschen mehr denn aufhalten?! Wie sehr wir uns irren sollten.

Start um 0:00 Uhr in der Großstadt, durch den Asphaltdschungel Richtung Skischanze und in den ersten, sich schlängelnden Trail. Nachts liegt dem Laufen eine gewisse Magie inne. Du folgst dem Strahl deiner Lampe, deine Atmung hat einen konstanten Rhythmus und deine Umwelt zieht in absoluter Schwärze an dir vorbei. Die ersten 20 KM sind eine Wohltat beim Stubai-Ultra. Sie machen tatsächlich Spaß! Seit nicht zu schnell, baut euch euren Puffer auf und bereitet euch mental auf den ersten Anstieg vor. Ab Telfes geht es nämlich zur Schlicker Alm hinauf und von dort in Richtung Sonnenaufgang. Ich hatte diesen ersten „Hügel“ sehr negativ in Erinnerung und muss auch zugeben.

Ohne Dominik wäre hier kurz nach 3:00 Uhr früh auch Schicht im Schacht gewesen. Schmerzen im Sprunggelenk, Antriebslosigkeit und diese leise Stimme in deinem Hinterkopf die dir erzählen will das es doch so einfach wäre an der nächsten Verpflegung stehen zu bleiben. Die Schuhe ausziehen, du bist doch auch müde … es schmerzt. Komm, gib auf. Jeder kennt diese destruktive Stimme die, mal leise, mal ganz unvermittelt zu einem spricht. Was hilft? Was hilft dann wenn der eigene Wille bröckelt? Ein Partner der kein Blatt vor den Mund nimmt. Diese Tatsache sollte sich während des Stubai-Ultras noch mehrfach bemerkbar machen. Dominik und ich, wir pushen uns voran hinauf zum Sonnenaufgang. Unser Carsten steckt weiter hinten und erst später sollten wir erfahren das wir ihn, alleine mit sich und der Nacht, leider verloren hatten.

Mit den ersten Sonnenstrahlen im Nacken geht es für Dominik und mich in einen der wenigen Downhills des Rennens. Doch auch hier hat sich Martin, der Streckenchef … ihr erinnert euch?… etwas gedacht. So steil und verblockt geht es in Richtung Tal das wir es nicht wagen die Handbremse voll aufzumachen. Kurz versuchen wir es und sind uns schnell einig – wer hier ballert, ballert ins Tal um im Tal zu bleiben. Also, Kräfte sparen denn der zweite Anstieg sollte es in sich haben. Auf unserem Weg zur Regensburger Hütte müssen wir durch den Medicalcheck. Wir haben jeder sein Päckchen zu tragen, sind Müde und ich für meinen Teil habe auch schon den ersten Sturz hinter mir. Doch wie so oft, im Team trägt sich die Last leichter. Wir frotzeln, erhalten uns den Spaß und betrachten unseren Fortschritt. Zu diesem Zeitpunkt war uns klar, wir würden finishen, nur wenig schlechter als im Jahr zuvor.

Dann aber, der eigentliche Hammer. Kurz vor der Regensburgerhütte erwartet uns ein Anstieg, so steil und verblockt. Die Steine glühen vor Hitze, wir stehen in der prallen Sonne. Ein einzelner, ausgesetzter Anstieg. Und Man! Zieht der uns den Zahn. Wir brauchen ewig bis zur nächsten Verpflegung und fallen im Feld der Läufer immer weiter zurück. Die Hitze setzt uns zu und viele kleine Gebirgsbäche laden ein kurz zu verweilen, die Flaschen zu füllen und das salzige Haupt in die Strömung zu tauchen. Mega… an der Regensburgerhütte angekommen, kurz vor dem zweiten und letzten Downhill ist unser Akku leer. Die großen Steinschollen bereiten uns auf dem Weg hinab unglaubliche Mühe, die Kraft ist nahezu aufgebraucht so dass wir auf dem danach folgenden Kiesweg welcher uns wieder hinab ins Tal bringt teils sogar die ein oder andere Kehre gehen müssen. Wie undankbar solch einfache Meter gehend zu verschwenden, aber es geht für uns nicht mehr. Die Hitze legt sich mit drückender Schwüle auf unsere Schultern und bremst uns gefühlt bis zum Stillstand aus. Im Tal angekommen trifft uns der nächste Schlag. Wir hatten erwartet viel näher an den WildWasserWegen zu sein, doch der Trail spuckt uns viele Kilometer davor aus. So hatten wir nicht gerechnet und der Cutoff winkt uns das erste Mal mit fiesem Lächeln und dem Versprechen ab sofort unser ständiger Begleiter zu sein.

An der nächsten Verpflegung, noch vor der Mutterbergalm, treffen wir auf unser Support-Team. Auch Carsten hat sich mittlerweile dazu gesellt. Ich kann euch sagen, tut das gut! Lächelnde Gesichter, aufmunternde Worte. Klar, jeden Schritt weiter müssen wir selbst tun. Doch ab jetzt würde an jeder Verpflegung jemand auf uns warten der uns siegen sehen sollte. Das befeuert den Kampfgeist, Blasen geraten in Vergessenheit und schmerzende Muskeln werden mit stählernem Willen zur Funktion gezwungen. An der Mutterbergalm angekommen gönnen wir uns trotz der verrinnenden Zeit eine Pause, tanken auf und essen. Dann geht es für uns in den letzten, langen langen Uphill. Carsten begleitet uns ohne Stöcke bis zur Dresdener Hütte … man … kann der fliegen! Oder … sind wir so langsam? Richtung Eisgrat müssen Dominik und ich uns dann alleine durchbeissen. Da wird es bereits knapp. Mein Partner hat sichtlich Probleme, die vielen Stunden in der Sonne, tausende Höhenmeter und eine schlaflose Nacht fordern Tribut.

Auf den letzten Metern kommt uns unser Carsten wieder entgegen, er peitscht unseren youngster den Berg hinauf und in die letzte Verpflegung wo ich bereits kopfschüttelnd am Boden sitze. Jetzt sollten es nur noch wenige hundert Höhenmeter sein … die Skipiste hinauf. Durch den Schnee. Man sollte sich freuen denn er ist kalt … doch es ist steil und der ohnehin schon wackelige Walkingschritt bricht all zu oft im matschigen Nass aus und so verliert sich kostbare Kraft auf dem Weg gen Ziel. Das Cutoff sitzt uns nun wahrlich im Nacken. Wir hören die Uhr ticken, die Läufer sind verängstigt es nicht mehr rechtzeitig zu schaffen.

Jeder blickt nur noch vor sich zu Boden. Zählt Schritte, versucht einen Takt zu finden wo nach 18 Stunden kein Takt mehr sein kann. Und dann … dann sind wir oben. Empfangen von unseren Freunden und unserer Familie wanken wir die letzten Meter zusammen in Richtung des Ziels. Blutig aber Ungebeugt finishen wir den Stubai Ultra. Was für eine Herausforderung. Was für eine Leistung! Trotzig sucht mein Blick die Uhr, dass Grinsen stellt sich von ganz von alleine ein. Gemeinsam mit Dominik wanken wir unseren Liebsten entgegen, kurz noch schauen wir uns an und wiederholen was wir alle paar Kilometer zum anderen sagten …“Man … sind wir geile Typen“…

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