3Kings 3Hills – 3 S: Saunass, Saumatsch, Saugefährlich

Am 25.7.2025 startet ich in meinem 60. Lebensjahr einen Trail in einer wunderschönen Landschaft im Bayrischen Wald: den Ultra Trail XL über eine Länge von 115 km und 4476 HM. Dieser führt die Läufer über atemberaubende Singletrails, den Goldsteig, den berühmten Grenzsteig.

Da dies mein erster Nachtlauf war, hatte ich tatsächlich mit Aufregung zu kämpfen. Welche Schuhe sollten mich bei dem technisch schwierigen Lauf tragen? LaSportiva blieb und bleibt der Testsieger.

Schon am Nachmittag regnete es in Strömen - Regenjacke an oder aus? Im letzten Moment entschied ich mich gegen sie.

Der Startschuss für die Teilnehmer fiel um 22 Uhr in Haidmühl, dem Austragungsort des Lauf- und Musikfestivals. Aufregung, Gänsehaut, Respekt vor der Strecke … Alle Gefühle waren dabei.

Vom Start ging es eine Schotterpiste entlang, noch waren die Füße trocken. Aber nicht mehr lange. Auf einem serpentinenartigen morastigen Abschnitt kam uns das Wasser entgegen geflossen . Überholen war auf diesem Stück nicht möglich, mein Laufkollege Holger trat in ein Loch, ich knickte um. Die Füße sollten bis zum Ziel nicht mehr trocken werden.

Sieben Stunden waren wir Verrückten in der Dunkelheit unterwegs, eine wolkenverhangene Nacht, Regen begleiteten uns. Erst ab dem Steinernen Meer über das Dreiländereck, den Dreisessel bis zum Ziel konnten wir die Landschaft im Tageslicht genießen, wenn man das nach 100 gelaufenen Kilometern noch genießen nennen kann.

Gut, dass wir uns an den 9 VPs gut versorgen konnten. Ohne Ende Gels von Xenofits lagen aus, die echt super waren. Gels mit Banane waren mein Renner. (Herrlich doppeldeutig) An den VPs 4 und 7 lagen unsere Drogbags. Wir konnten uns trocken legen und warme Suppe zu uns nehmen.

Am VP 4 nahm ich Unmengen an Salzgebäck und Cola zu mir und bevorratete mich mit Klopapier. Vier Mal musste ich vorher in die Büsche, was das für Zeit kostete 😉 und meine Krankenkarte büßte ich auch noch dabei ein. Wie durch ein Wunder blieb dann der Magen in der Spur und ich auch.

Zwischen VP3 und 4 fiel mir immer wieder ein Läufer auf, der sich mit der Armbanduhr behelfsmäßig den Weg ausleuchten wollte in der bärenarschdunklen Umgebung. Dem 35-Jährigen Ösi habe ich mich als Glühwürmchen angeboten, ihn durch die Dunkelheit begleitet. Ich sei sein „Fels in der Brandung“ gewesen. Von da an kämpften wir uns zusammen weiter in die Höhe zum Skigebiet Hochficht zum nächsten VP.

Viele der Wege waren keine Wege mehr, Harvester hatten sie zerfahren, so dass wir uns so manche brutale Matschschlacht lieferten. Laufen war nicht mehr möglich.

Nach dem VP 6 konnten wir bei Tageslicht laufen, aber mir wurde immer kälter, ich war total durchnässt. Am VP 7 gab es eine warme Suppe mit Nudeln gegen die Kälte und ich zog meine Regenjacke nun gegen die Nässe an. Was soll ich sagen: 86 km bin ich im Regen ohne Jacke gelaufen und mit Jacke hörte der Regen auf. Wenn ich das eher gewusst hätte …

Am VP 8 füllten wir unsere Flaschen mit Cola-Wasser und Isogetränken auf. Und dann ging es zum Monsterberg, dem Plechy, dem höchsten Gipfel des Böhmerwaldes auf 1379 m Höhe. Leider hatte Gott diesen Berg nicht mit Wolken verhangen, sonst wäre uns der Schrecken erspart geblieben. Vor uns lag ein Felsenweg aus Granitblöcken, 200 bis 300 m konnten wir sehen, wie die Läufer vor uns hochkraxelten. Auf 1,5 km durften wir 500 HM überwinden. Es sollte der schwierigste Teil des Trails werden: Felsen, unterschiedliche Tritthöhen, Wurzeln, Wasser. Bis dahin hatte ich noch nicht geschwitzt, aber auf halber Höhe verfluchte ich die Regenjacke und warf sie ab, vier Mitläufer folgten meinem Vorbild. Wir kämpften uns nach oben.

Nach dem Plechy trennte ich mich von dem Ösi, er hatte sich einen Wolf gelaufen. (Tipp: einfaches Melkfett verwenden) Im Ziel wollten wir auf jeden Fall gemeinsam 5 - 15 Erdinger trinken.

Auf dem Hochkammsteig zum letzten VP Dreisessel war schnelles Laufen nicht möglich, Steinblöcke lagen kreuz und quer.

Auf den letzten 9 Kilometern ging es nur noch steil bergab auf Fuhrwegen. Richtig in Fahrt gekommen, überholte ich noch viele Ministreckenläufer (54/40/26/16 km-Läufer).

Eine kleine Attraktion wartete noch auf uns: Auf extra gefertigten Hühnerleitern unterquerten wir auf 20-30 m Länge eine Straßenbrücke.

Kurz vor dem Ziel empfing mich meine liebe Frau und übergab wir unseren Hund Happy, der mit mir ins Ziel einlief. Dort warteten wir gemeinsam auf den Ösi und ertränkten seinen Wolf mit 5-15 Erdingern.

Gemeinsam mit mir angereist waren Theresa Döpping und Holger Lachmann. Obwohl wir alle Flachtlandtiroler sind, erzielten wir ansprechende Ergebnisse. Theresa wurde Zweitplatzierte bei den Frauen, Holger und ich zweiter und dritter in der M 50. Nach Jahrgangswertung wäre ich allerdings auf Platz eins der M 60 gelandet. Ein Monat trennt mich von der M 60.

Mein Fazit zu diesem Trail: Er ist super vorbereitet, findet in einer wunderbaren Landschaft statt und ist technisch äußerst anspruchsvoll. Verglichen mit dem Kaiserkronetrail 2024 in Scheffau ist der 3Kings3Hills für mich wesentlich schwieriger zu laufen. Die Schwierigkeit zeigt sich auch darin, dass nur 6 Frauen und 35 Männer ins Ziel liefen. Das sind gerade einmal 37 Prozent der Starter.

Für mich gilt: Nach dem Lauf ist vor dem Lauf und aller guten Dinge sind drei. Nach dem Rennsteiglauf und dem Ultra Trail XL wartet im September die nächste Herausforderung auf mich: Der 24 h Mad Chicken Run in Hänchen bei Cottbus. 100 Meilen sind mein minimales Ziel.

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