Transalpine Run 2022 – Ein Traum geht in Erfüllung

Ein Traum geht in Erfüllung, so der Titel der SüdwestPresse über meinen Transalpine Run dieses Jahr.
Eine Überschrift welche kurz und knapp aber dennoch treffend ist.
Seit meinem ersten Transalpine-Run im Jahr 2013 war es für mich ein Traum einmal Abends bei der PastaParty auf dem Treppchen zu stehen.

Zieleinlauf bei meinem ersten Transalpine Run 2013 in Latsch


Die Vorbereitung 

Die weiteren Jahre brachten mich, auch durch das strukturierte Training bei Michael Arend / TwoPeaksEndurance (Kim), dann leistungstechnisch nochmals gut voran. 2019 dann der erste „schnelle“ Transalpine Run mit Michel zusammen. 
Von der Zeit waren wir schneller als das 3. MixedTeam, also „einfach“ eine schnelle Frau suchen und es wird schon klappen, dachte ich mir…
Glücklicher weiße fand ich mit Lisa Risch auch sehr schnell eine schnelle Frau welche Lust hätte mit mir zu laufen.
Was dann kam haben wir glaube ich alle noch gut in Erinnerung…
2020 kein Transalpine Run, Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung…

Start zum Ersatz – Transalpine Run 2020 von Oberstdorf nach Latsch

Zwar liefen Lisa und ich dann in Eigenregie eine Alpenüberquerung, aber der Traum blieb halt erstmal ein Traum…
In der Zwischenzeit waren meine Frau und ich auch nicht mehr alleine, sondern wir hatten mit Florian unseren ersten Sohn bekommen.
Aber der Wunsch war immer noch da, einmal beim Transalpine Run aufs Treppchen…
So versuchten wir (besser gesagt ich, von meiner Frau kam sehr viel Unterstützung) einfach nochmals „normal“ weiter zu trainieren, die Form war ja so gut wie noch nie, und es dann einfach im nächsten Jahr nochmals zu versuchen. 
Jedoch merkte ich nun, dass es gar nicht so einfach war „einfach“ eine schnelle Frau für ein MixedTeam zu finden…

 

Platzt der Traum…?!?

Leider fand ich keine (passende) Frau für ein Team in 2021, die Enttäuschung darüber war erstmals riesig…
Was machen…?? Arbeit, Zeit für die Familie und teilweise deutlich über 10h die Woche reine Trainingszeit zehrte doch an den Kräften , auch die „fehlende“ Zeit für den Junior war nicht immer schön…
Also was tun?
– 2021 hatte ich auch schon Kontakt mit Claudia, damals noch verletzt meinte sie wenn ich 2022 nochmals laufe wäre sie dabei.

© Sportograf

Jetzt war die Frage:
Nochmals ein Jahr so gut wie alles dem Laufen widmen, nochmals trainieren, auf viel verzichten und den Traum noch erfüllen ?
Die letzten Jahre kosteten schon viel Zeit, Schweiß und Energie…
So kam Anfang 2022 noch eine Nachricht welche einen weiteren Versuch nochmals erschweren, eigentlich unmöglich machen sollte. Jedoch war die Nachricht alles andere als negativ, Sonja war zum 2. mal Schwanger, geplanter Entbindungstermin sollte der 13.09.2022 sein.
3 Tage nach dem Transalpine Run… war es das nun mit dem Traum ?? Das Training war mit einem Kleinkind schon schwer genug und kostete jede Menge Rückendeckung sowie Verzicht seitens meiner Familie, jetzt aber noch mit einem weiteren Säugling wäre es eigentlich nicht machbar und den Transalpine Run soll es ja „nur“ noch 4x geben.
Was also tun…?? War das Training und er Verzicht die letzten Jahre „umsonst“, ja Training ist nie umsonst..
dennoch konnte ich keinen Versuch starten um es wirklich zu nutzen….

© Sportograf

Nach etwas hin und her mit meiner Frau, dafür bin ich ihr über alles Dankbar, sowie unserer restlichen Familie einigten wir uns einen letzten Versuch zu starten und das „Risiko“ einzugehen, dass ich so kurz vor dem geplanten Entbindungstermin unterwegs bin.

 

Transalpine Run 2022 – die letzte Chance

Also hieß es nochmals 110% Fokus auf das Ziel, auf das Training. Eigentlich lief es auch ganz gut, doch dann kam die Generalprobe, die 100Km beim ZUT.
DNF nach gut 60 Km…
Passt das Training, die Form, ist das Ziel zu hoch gesteckt, habe ich mich stärker eingeschätzt als ich bin…??
Mental war ich richtig am Boden, war all die Zeit, die Verzichte alles umsonst?
So am down war ich wegen dem Laufen noch nie… 

© Sportograf

Glücklicher weise fing sich alles wieder und so kam es dann zum Transalpine Run.
An den Start gehen konnte ich aber nicht nur Dank der unglaublichen Unterstützung meiner Frau, sondern auch dank unserer Familien welche extra Urlaub genommen hatten, dass Sonja nicht alleine daheim ist, Florian musste versorgt sein und beim Transalpine Run selber musste jemand dabei sein falls ich schnell heim musste…

 

Tag 1 – Garmisch nach Nassereith 

Dann ging es los 🙂
Tag 1 war gleich ein Ansage… 43 Km mit über 2.000 HM führten uns von Garmisch nach Nassereith.
Anfänglich noch recht flach raus aus Garmisch wurde vor allem mir gleich aufgezeigt was mich die Woche erwarten sollte…

© Sportograf – Downhill Tag 1

Mit Claudia hatte ich eine Partnerin mit der ich noch nie zusammen gelaufen bin. Zwar haben wir uns vorab einmal getroffen, aber ein gebrochener Zeh lies nur eine Radtour zu…
Um im vordern Teil mitzulaufen musste doch gleich von beginn an ein recht hohes Tempo angelaufen werden, auch kleine (Zwischen-)Steigungen durften nicht mal kurz gegangen werden, Nein, alles im Lauftempo..
Wir versuchten in Schlagdistanz von Stefan und Edith Zell zu bleiben, da wir diese recht weit vorne in unserer Klasse vermuteten. Meine Pulsvorgabe von 150-155 Schläge musste ich schon nach den ersten Km aufgeben, wenn dann war der Puls mal bei 155 sonst eigentlich immer leicht drüber…
Puh… das wird verdammt hart, aber ich wollte es ja so….

© Sportograf – Zieleinlauf Tag 1 in Nassereith

So ging es zur ersten V auch hier war es nicht so entspannt wie ich es von den letzten Jahren gewohnt war, Vorräte schnell auffüllen und weiter geht es…
Der erste Anstieg war geschafft, ich freute mich auf etwas „Erholung“ im Downhill, doch das Tempo war weiter so hoch, dass auch hier der Puls kaum runter kam…
Das halte keine Woche so durch dachte ich mir…

© Sportograf – Im Ziel, völlig fertig aber überglücklich

Aber irgendwie „überlebte“ ich den restlichen Tag doch ganz gut, sodass wir gut in den letzten Downhill kamen. 
Carsten, welcher mich immer wieder mit den Zwischenständen versorgte, meinte jetzt müsse nochmals Vollgas gegeben werden, da der 4. Platz immer näher kommt.
Vollgas ? Was denkt er was ich bisher gemacht habe…?

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung von Etappe 1

Sch… dachte ich mir, dass wird schwer dieses Jahr auf das Podest zu laufen… Aber egal jetzt alles nochmals reinhauen und heute Platz 3 mitnehmen, wer weiß wie lange der Transalpine Run für mich dieses Jahr geht dachte ich mir.
Im Ziel angekommen reichte es nicht nur für Platz 3, nein wir konnten sogar im teils recht technischen downhill noch etwas an Boden gutmachen.

 

Tag 2 – Nassereith nach Imst

156 Schläge war der Durchschnittspuls am ersten Tag bei erlaubten 150-155.
Puh… wie soll das weiter gehen…
Claudia ist die stärkere von uns beiden und so war es angenehm sich von ihr etwas ziehen zu lassen, aber auf 8 Tage wird das Tempo sich nicht ausgehen… 

© Sportograf – Im Aufstieg zum Tschirgant

Zum Glück stand heute etwas weniger „laufbares“ auf dem Program… 
Berghoch klappte eigentlich ganz gut und und bergab sind wir bei top 🙂
Aber Pustekuchen, die ersten 5 km, auf der Homepage als „schön zum einrollen“ beschrieben, wurden für mich  gleich wieder zur Tourtour, hasse ich eigentlich das Gelände.
Zu flach zum gehen zu steil zum joggen…

© Sportograf – Auf dem Grat des Tschirgant

Egal, einmal standest auf dem Podest, dann wird es halt nichts mit einem gesamt Rang, vlt. bin ich eh nicht bis zum Schluss da waren die Gedanken als der Puls wieder über den 150 Schlägen war und das Team CorosF7 um Kröll und Hutter (aktuell auf Platz 4 hinter uns) näher kam 
Dann kam aber, Gott sei dank, der „richtige Anstieg auf den Tschirgant, das war endlich mal ein Terrain für mich. Genauso wieder der anfänglich noch sehr technische Abstieg vom Gipfel.

© Raphael Wohlfarter – letzter Anstieg zum Ziel in Imst

3 Minuten auf Platz 1 BEN Vollgas aber richtig jetzt

ploppte die Nachricht von Carsten auf meine Uhr auf. 
Wie so weit vorne ? Die sind doch schon am Anfang gleich außerhalb der Sichtweite gewesen..?
Das wir im Downhill, vor allem im technischen, gut sind wussten wir, aber das wir so viel gutmachten setzte nochmals extra Energie frei. 

© Sportograf – Im Ziel in Imst mit den heutigen Tagesgewinnern, Stefan und Edith Zell

So überholten wir kurz vor Schluss noch die Gesamtführenden Egli / Hosennen und kamen auf Platz 2 hinter dem Team Ötztal ins Ziel.

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung 2. Tagesetappe

Tag 3 – Imst nach Mandafen

Wow, nach dem ersten Tag dachte ich eig ich habe mich zu sehr abgeschossen, waren wir immer noch auf dem 3. Platz gesamt und konnten sogar am 2. Tag unseren Platz festigen. 
Aber heute stand die Königsetappe an. 
54 Km mit fast 3.000 Meter im Aufstieg und zum Schluss noch 10 Km leicht ansteigend das Pitztal hoch…
Noch nie hatte ich so sehr Angst vor einer Etappe…
Wenn du dich hier nicht richtig verpflegst oder am Anfang etwas zu schnell bist dann verlierst du auf den letzten 10 km und zwar nicht nur ein wenig sondern richtig…

© Raphael Wohlfarter – kurz vor Wenns

Ich sah unseren Platz schon entschwinden, aber die anderen müssen ja auch erstmals laufen war meine kleine Hoffnung.
Eigentlich hoffte ich, dass heute endlich ein etwas „langsameres“ Tempo angeschlagen wird, aber die ersten 20 Km, welche nur einen kleinen Anstieg inne hatten wurden wieder in extremen Tempo gelaufen.
Claudia, welche weiter deutlich stärker war als ich, lief immer wieder mal ein paar Meter nach vorne, ich versuchte jedoch „Nur“ am Team CorosF7 (Kröll / Hutter) dran zu bleiben. 
Irgendwie so lange wie möglich an den beiden dran bleiben und dann so wenig wie möglich Zeit zu verlieren, vlt können wir ja Platz 3 halten, war der Wunsch.

© Sportograf – im letzten Aufstieg des 3. Tages

Platz 4 – 2 Minuten hinter euch 3 Minuten auf Platz 1

so wieder die Meldung von Carsten zu VP2, wow sind wir doch nicht so schlecht wie ich den ganzen Tag über dachte und zweifelte, aber es sind ja noch gut 30 km also nicht zu sehr in Euphorie fallen und weiter konzentriert laufen wie bisher. 
Weiter ging es zum höchsten Punkt des Tages, knapp 35 km sind geschafft aber auch schon weit über 2.000 HM, der Körper signalisierte immer mehr, dass die letzten Tage und auch heute kein Zuckerschlecken waren…
So war ich im Downhill einmal unkonzentriert uns machte mich lang..

© Sportograf – kurz vor dem Sturz im Downhill

Scheiße, dachte ich mir, konzentriere dich besser!! Das kann auch anders ausgehen und du bist aus dem Rennen…
Im weiteren Downhill konnten wir dann wieder auf Stefan und Edith Zell auflaufen, Claudia sogar bis ganz zu ihnen, ich immer ein paar Meter dahinter. Ich glaube bis dato war ich noch kein einziges mal vor Claudia im Rennen 😛
Auf einem sehr schrägen, rutschigen und anspruchsollen Abschnitt lief ich um die Kurve und sah Edith am Boden liegen, sie war umgeknickt. Wir erkundigten uns kurz nach ihr und sagten noch wir sehen uns im Ziel, da es bestimmt nur etwas verknackst war (wie sich später raustellen sollte hat sie sich dabei leider ein Band gerissen). 
Dann angekommen im Tal der Abschnitt vor dem ich am meisten Respekt hatte, die 10 Km mit gut 400 HM, aber Claudia pushte mich auf diesem Stück nochmals so sehr das wir auch dies noch gut gemeistert bekommen haben.

© Raphael Wohlfarter – auf den letzten 10 km nach Mandarfen

Wow nochmals Platz 2 und sogar auf die Verfolger Zeit gutmachen können, morgens hatte ich noch Angst abzurutschen und nun so ein Ergebnis: keine 7:30h für diese Strecke, niemals hätte ich mir dies morgens, auch nach den 2 Tagen zuvor, träumen lassen.
Im Ziel erhielten wir dann auch die traurige Nachricht, dass Edith aufgeben musste. 
Klar erhöhtes dies nun die Chancen auf eine gute Platzierung, aber so will man (wir) eigentlich keine Position gutmachen.

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung 3. Tagesetappe

 

Tag 4 – Bergsprint hoch zum Riffelsee

Bergsprint, „nur“ einmal den Berg hoch und um den Riffelsee, gute 7 Km und etwas mehr als 600 HM. 
Liebevoll wird dieser Tag auch „Ruhetag“ genannt. Aber das einzige von diesem Ruhetag war, dass wir so spät wie noch nie starten durften.

© Raphael Wohlfarter – kurz vor dem Ziel des Bergsprint

Eigentlich auch genau mein Tag heute, steil Berg hoch und ins Ziel. Leider aber zieht mein rechter Oberschenkel etwas…
So wurde aus dem geplanten „ich laufe Vollgas“ und wir holen heute vlt sogar mal einen Etappensieg, ein
„Ok, schnell hoch aber nicht zu viel den Oberschenkel belasten, schließlich willst dich nicht verletzten und in Italien ankommen“
ein Besuch bei den OutdoorPhysios beruhigte mich später noch zusätzlich, so ist es einfach ein beleidigter Teil des Oberschenkels aber (im Normalfall) kein Vorbote einer Verletzung.

So wurden wir an diesem Tag wieder 2 in der Tageswertung, da aber für die Wochenwertung die „nur“ die Zeit des langsamsten gewertet wird (zum ersten mal in 9 Teilnahmen war ich das in meinem Team 😉 ) holten wir ganze 13 Sekunden auf das Führende Schweizer Team raus 🙂

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung 4. Tagesetappe


Tag 5 – Mandarfen nach Gurgel (Ötztal)

Ich war immer noch verwundert wie gut die letzten Tage nun doch liefen, nach dem eigentlich zu schnell angegangen ersten Tag sowie den folgenden, aber irgendwie hat sich der Körper doch daran gewöhnt und sich drauf eingestellt, die Erfahrung der bisherigen Transalpine Runs waren hier bestimmt kein Nachteil…

© Sportograf – Downhill zu V1

Zwar wurde es nun endlich alpiner, technischer Trails sowie Downhills erwarteten uns auf der 2. Wochenhälfte aber Wetterbedingt mussten wir heute bereits um 6:30 Starten… 
Nach dem „Ruhetag“ vor war das Mental doch ein ganz schöner Schlag so früh (4 Uhr) aufstehen zu müssen…
Am Start stehend in Mandarfen war es fast noch notwenig eine Stirnlampe zu tragen, so duster war es…
Dem Muskel ging es wieder besser, der Abstand zu Platz 4 in der Gesamtwertung lag bei über 1:40 h. 
Auf einmal war die Situation, im vergleich zum morgen des 3. Tages, viel entspannter. 

© Sportograf – die Führenden in Schlagdistanz

So war es auch kein „Druck“ mehr zusammen mit dem Team um Katharina Hutter & Konrad Kröll gemeinsam den Aufstieg zur Braunschweiger Hütte zu laufen. Die Lockerheit sollte sich auszahlen, so überholten wir kurz vor der ersten VP sogar das Schweizer Team auf Platz 1.
Wow, dachten wir uns. Heute vlt mal sogar auf 1 laufen ?!?
Es stand ein langer Downhill nun an knapp 15 km und 1500 Meter im Abstieg, eigentlich genau unseres, hatten wir hier doch die letzten Tage immer Boden gut gemacht. 

© Raphael Wohlfarter – Ziel Tag 5

Aber das wussten auch die Schweizer, welche das Tempo anzogen.
Sicher ankommen, nicht verletzten und den Platz weiter festigen war unsere Devise. 
Weswegen wir nicht weiter versuchten dran zu bleiben, sondern weiter unser Tempo zu laufen.
So stand abermals ein toller 2. Tagesplatz zu buche.

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung 5. Tagesetappe


Tag 6 – Neustift Rundkurs

Ein Rundkurs ? Ja, ein Rundkurs! Wie bereits 2014 machte uns das Wetter eine Strich durch die Rechnung, weswegen wir nicht von Gurgel nach Mutterberg laufen konnten. War das Wetter, vor allem vormittags und für die exponierte Lage, zu schlecht gemeldet. Also setzte PlanB alle Hebel in Bewegung. Shutteles für die fast 700 Teilnehmer mussten organisiert werden. Aber nicht einfach nur ein paar Km weiter, Nein es musste aus dem einen Tal raus und in das andere reingefahren werden weit über 250 Km Fahrstrecke….

© Sportograf – auf dem Weg hoch zur Elferhütte

Da war es für uns schon ganz angenehm ein privates Shuttle dabei zu haben…
Mittags um 14 Uhr starteten wir dann in Neustift, hoch auf den Elfer. Die Strecke welche 2023 auch bei der WM gelaufen wird, nur das wir auch wieder runter mussten. Auf „nur“ 13 Km 1.020 Meter hoch und runter ist einen Ansage…
Am Start rede ich noch mit Claudia, dass ist doch heute unsere Strecke.

Einmal stehen wir oben, heute ärgern wir die 2 vorne 😉

In diesem Augenblick schaut Gabriela zu uns und ich zeige zu ihr spaßig mit meinem Zeige- und Mittelfinger auf meine Augen und dann auf sie 🙂 
Den Anstieg raus pushten wir um die beiden schnell zu überholen, heute wollten wir mal oben stehen, auch war zum ersten mal ich vor Claudia 😛 ich hatte Kraft in den Beinen wie wenn ich die letzten Tage keinen Meter gelaufen war, so vergrößerten wir unseren Vorsprung Meter für Meter.

© Sportograf – wo sind die Verfolger ?

Schweizer 2:20 hinter euch 

so die Info von Carsten

Wow Claudia, heute schaffen wir es!
Die 2 sind gut 2 min hinter uns, und jetzt kommt erst noch unser Paradestück, der Downhill.

Dieser hatte es auf der ersten Hälfe echt in sich, teilweise richtig steil und sehr anspruchsvoll zu laufen. Aber genau das was wie lieben 🙂
So konnten wir hier noch ein paar weitere Teams überholen und liefen tatsächlich auf dem ersten Platz in der Tageswertung und als 12. Team gesamt an diesem Tag ein. 
Ich wusste nicht woher diese Energie kommt, ein paar Minuten später wusste ich es dann doch…

© Sportograf – Ziel Tag 6 – 1x mal Tagessieger 🙂

Wie geht es weiter ?

Wir hatten schon viel im Vorfeld darüber geredet…
Was ist wenn das Kind während des Laufes kommt?
Was wenn eine Position auf dem Podest „sicher“ ist, ja sicher ist es bis zum Schluss nie zu 100% aber in guter Aussicht.
Hier kam dann auch mal eine Ansage von meiner Frau
„Wer sagt das ich dich dann überhaupt anrufe wenn es los geht“

Doch heute war es soweit… 
Im Ziel bekam ich den Anruf mit welchem ich nicht gerechnet / gedacht (vlt auch verdrängt habe) 
Meine Schwiegermutter war dran und sagte: Ab jetzt läufst du für Felix.
Er wollte nun doch nicht auf mich warten, aber vermutlich kam daher die Energie für den Lauf heute.
Ich brach erstmal in Tränen aus, war es das Wert ? Für deinen Traum einmal das Podest erreichen nicht bei der Geburt dabei gewesen zu sein ?
Was ist wenn dich jetzt verletzt auf den letzten Tagen…? Dann wäre „beides“ „verloren“… 

© Raphael Wohlfarter – Kaputt aber glücklich!


Sollte ich heimfahren ? Claudia kam in diesem Augenblick zu mir und wusste ohne Worte was Sache war…
„Wenn du Heimfahren willst, fahre heim. Ich würde es verstehen und stehe hinter der Entscheidung“

Aber auch hier schockte mich meine Frau wieder im positiven Sinne: 
Wenn du jetzt deshalb nicht mehr weiter durchziehst, bin ich dir sauer!

Die Tatsache dass es so schnell ging und ich es, wenn ich bei der Arbeit gewesen wäre,  wäre evtl. nicht mehr rechtzeitig nach Hause und mit ihr ins Krankenhaus gekommen. So war jemand daheim und es hat gereicht, ein schwacher aber dennoch ein kleiner Trost…


Tag 7 – Stubaital – Gossensass

Ein abermals alpine und anspruchsvolle Etappe stand auf dem Plan. Nach dem wir gestern, zumindest mittags auf dem alternativ Kurs, Glück mit dem Wetter hatten und bei Sonnenschein liefen, so war heute wieder schlechtes Wetter angesagt.
Dadurch musste abermals um 6:30 gestartet werden….
Wieder um 4 Uhr aufstehen um zu frühstücken, zu packen und zum Start zu fahren…
Um dort im Regen zu starten…  
WARUM macht man das freiwillig, Jahre für Jahr…
Ab und an stellt man das schon alles in Frage…

© Birgit Klöppel – Start zur 7. Etappe

Aber egal, es musste ja gelaufen werden.. .Knapp 1.400 Meter im Aufstieg zum Höchsten Punkt des Tages, runter zur Nürnberger Hütte, weiter auf dem Stubaier Höhenweg und ab nach Italien war heute die Devise….

Nachdem wir gestern auf der kurzen Strecke über 8 Minuten auf die Schweizer aufgeholt hatten und somit noch knapp über 15 Minuten Rückstand hatten, haben wir etwas Lunte gerochen. Das Alpine und vor allem die Downhills kommen uns entgegen. Nach hinten war der Abstand eigentlich groß genug, damit ohne Verletzung, nichts mehr passieren durfte.

© Sportograf – im Aufstieg kurz vor den 2 Schweizern

Also nochmals versuchen auf „Angriff“ zu laufen, vlt werden die 2 ja etwas nervös, aktuell haben die beiden eigentlich mehr zu verlieren als wie wir…
Entsprechend befreit konnten wir doch recht flott loslaufen.
So konnten wir Sascha und Gabriela immer leicht hinter uns lassen und oben im technischen sogar etwas abschütteln 🙂
Jedoch wurde das Wetter nicht wirklich besser, zwar regnete es nicht mehr so arg aber es war neblig und wurde immer kälter…
Am Simmingjöchl oben stand dann auch Martin Hafenmair mit der Info, dass an V2 das Rennen abgebrochen wird.

© Daniel Banzhaf – Das heutige, verfrühte Ziel…

Schade dachte ich zunächst, da jetzt erst unser der Downhill kommt, aber dennoch die einzig richtige Entscheidung.
Nicht nur dass, wie wir später erfahren haben Gewitter und Hagel für den nächsten Gipfel gemeldet war, so muss man auch an die Teilnehmer denken welche nicht so schnell wie wir die Strecke absolvieren. Welche halt 3 / 4 / 5 Stunden länger unterwegs sind und auch schon die letzten Tage waren…
Welche im Pulk laufen und auch immer wieder mal warten müssen….
Eine Entscheidung welche Schade war, aber dennoch alternativlos….

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung 7. Tagesetappe

So kamen wir mit 2:20 min Vorsprung vor dem Schweizer Team abermals als 1. im „Ziel“ an. 

Allerdings mussten wir von dort noch ins Tal zu den abermals hervorragend, da kaum Zeit zum planen war, organisierten Shuttle nach Gossensass sowie die provisorisch Aufgebaute Versorungsstelle.

 

Tag 8 – Gossensass nach Vals

Der letzte Tag sollte dann doch wie geplant zu laufen sein.
Das Wetter wurde besser und so konnten wir wie geplant um 8 Uhr an den Start gehen. 
Mit noch 13 Minuten Rückstand auf Platz 1 sowie über 1:30h Vorsprung auf Platz 3 war die Marschrichtung klar, voll auf Angriff!
Selbst wenn wir uns am ersten der beiden heutigen Anstiege zerschießen, so haben wir immer noch gut Vorsprung auf unsere Verfolger, aber das wussten natürlich auch die Schweizer. 

© Sportograf – letzter finaler Downhill

Der Aufstieg zum Daxlwald lief grandios, wir waren vor den beiden und es war erstaunlich was ich auf einmal für eine Energie hatte.
Klar der Druck von „hinten“ ist nicht angenehm, aber auch zu wissen, im Normalfall sein Traum zu erreichen und sogar evtl den Gesamtsieg zu ergattern setzte eine ungeahnte Energie frei. Dazu war es schön zu wissen, dass es Frau und den Kindern daheim gut ging, auch das war die Tage zuvor immer im Hinterkopf…

An der ersten VP wartet ich vergeblich auf einen Zwischenstand von Carsten, also weiter Druck machen und hoffen, dass die 2 weit hinter uns sind. ‚
Den Downhill in Richtung VP2 ins Tal flogen wir nur so nach unten, sodass wir abermals sogar vor dem ersten MixedTeam um Sebastian Hallmann und Ida-Sophie Hegemann waren.

© Sportograf

Dort endlich der ersehnte Zwischenstand von Carsten:

6 Minuten Vorsprung 

Puh..  jetzt sind es nochmals über 1300 Meter im Aufstieg auf das Sandjoch eh es 10 Km bergab ins Ziel geht und wir müssen noch weitere gute 7 Minuten Aufholen…
Der letzte Aufstieg war steil, richtig steil und meine Muskeln müde… 
Als ich nach hinten schaute sah ich die Schweizer, wir rechneten zwar nicht damit heute die 13 Minuten aufzuholen aber etwas Hoffnung war doch vorhanden, besonders da es bisher so toll lief.
Aber wenn die 2 jetzt in Sichtweite sind…
Puh dachte ich mir, das wird nichts…
auch machte sich das bisherige Tempo bemerkbar….

© Sportograf – das Tal runter nach Vals

So waren die letzten Meter doch sehr schmerzhaft…
Aber oben angekommen legte sich der Schalter abermals um. 
Letzter Downhill….
Nur noch Bergab…
Knappe 10 Km noch, dann sind wir im Ziel…
Sind 2. in unserer Wertung…

So wie die Woche noch begonnen hatte hätte ich niemals gedacht das mehr wie ein oder zwei Platzierung auf dem Tagestreppchen rauskommen… und jetzt Platz 2 oder sogar, wenn auch nur eine sehr geringe Chance das Ding zu gewinnen!

© Raphael Wohlfarter – die Supporter warten schon

Wir gaben Bergab nochmals alles, den schnellsten Kilometer liefen wir gar in 3:48 Minuten, die restlichen waren auch noch jenseits der 5:00 Minuten Marke.
Mitten im Abstieg, gut 8 km vor dem Ziel in einem schönen urigen Bergdorf waren Zuschauer welche uns anfeuerten, kurz danach endlich die letzte VP.
Das trinken war zwar leer aber wenn wir die minimale Chance waren wollten hieß es hier durchlaufen, ohne was zu trinken bzw. was mitzunehmen…

Der Berg spuckte uns schließlich aus, noch ein knapp 2 Kilometer im Tal, meine Beine waren leer,
am liebsten wäre ich jetzt einfach hingesessen und hätte erstmal etwas Pause gemacht…
Der Hintere Oberschenkel wollte genauswenig wie ich weitermachen…

© Sportograf – mit den letzten Reserven ins Ziel

Aber da war noch dieser Funken Hoffnung, also weiter Vollgas…
Endlich das Schild „1 Km to go“ komm noch 4 Minuten quälen dann ist es rum…
Ich versuchte einfach an Claudia dran zu bleiben…
Endlich kam das Ortsschild, rauf auf die Straße durch einen Kreisel und schon war das Ziel die Tennishalle in Sicht..
Man hörte die Durchsage von Sven und dann sah ich meinen Bruder mit Florian.
Mir kullerte die erste Träne runter. 
Er streckte ihn mir entgegen und so ging es zum 2. mal mit Kind über die Ziellinie des Transalpine Runs.
Kein Meter weiter wäre es jetzt noch gegangen

ABER 

Platz 2 Gesamt ist uns sicher, ein erneuter Sieg in der Tagesetappe ebenso und sogar als 9. Team Gesamt sind wir an diesem Tag eingelaufen; gerade einmal 4 Stunden 30 Minuten brauchten wir für die 34 Km und 2.700 Höhenmeter, nicht mal 20 Minuten hinter dem Tagessiegern.
Mehr war nicht möglich, wenn es jetzt nicht klappten sollte haben wir trotzdem alles gegeben und dann ist es so…
Leider kamen die 2 Schweizer 10 Minuten nach uns in Ziel, sodass wir mit gut 3 Minuten Abstand 2. wurden…

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung 8. Tagesetappe

Wie empfingen sie im Ziel und gratulierten ihnen zum verdienten Sieg und bedanken uns für das tolle Battle die letzten Tage 🙂

Klar war die Frage kurz da, was wäre wenn der vorletzte Tag nicht abgebrochen wäre…
Hätten wir es dann noch geschafft die 3 Minuten aufzuholen?

Aber der Gedanke war schnell wieder weg, viel mehr überwiegt die Freude den 2. Gesamtplatz ergattert und sogar 3 Tagessiege gefeiert zu haben.

© Raphael Wohlfarter – Siegerehrung Gesamtranking

Es war und wird mir eine unvergessliche Woche bleiben, bei all diesen tollen emotionalen Ereignissen, der Geburt meines 2. Sohnes und genau am selben Tag der erste Etappensieg, der 2. Gesamtplatz und eine Woche mit einer tollen Partnerin. Mit der es in keiner Sekunde nur den Ansatz einer schlechten Laune gab, wir hatten immer Spaß,  waren gut drauf, haben uns ergänzt, uns gegenseitig motiviert und es von der ersten bis zur letzten Sekunde genossen. 

© Raphael Wohlfarter – kaputt aber glücklich es geschafft zu haben

Ein Dank geht nicht nur an meine ganze Familie welche mich bei diesem unternehmen unterstützt hat sondern auch an meine Frau welche mir die Rückendeckung gegeben hat, mich zum einen zu 100% im Vorfeld auf das Training konzentrieren zu können, mich dann noch an den Start gehen lies obwohl der Entbindungstermin nahe war UND dann sogar noch die Geburt ohne mich durchgemacht hat. Einen Kredit welchen ich womöglich niemals auch nur ansatzweiße zurückzahlen kann…

© Sportograf- ohne Worte

Danke euch allen!

9 Responses to “Transalpine Run 2022 – Ein Traum geht in Erfüllung

  • Schneider Georg
    2 Monaten ago

    Hallo und guten Morgen an alle die mich kennen aus der schönen Schweiz. Leider konnte ich dieses Jahr nicht dabei sein am Transalpin, da mein Partner Markus Gesundheitliche Probleme hatte. Danach kam noch dazu das bei mir Ende März eine Thrombose und zu hohe Endzündungswerte im Blut fest gestellt wurden. und mich zu 3 Monaten Laufpause zwangen. Ich Gratuliere allen die am Transalpin Teilnahmen und würde mich freuen vielleicht im nächsten Jahr euch an einem Lauf zu treffen.

    Gruss an alle Schorsch aus Weggis

  • hallöchen, eine tolle Leistung an dich aber auch an deine Frau. Sie liebt dich über alles und weiß was du super gerne machen würdes. Sie weiß auch, wenn sie dir die Genehmigung nicht erteilt
    das du auch verzichten würdest. Dann würdest du für sie und euer 2. Kind da sein. Somit hat sie den 1. Schritt getan und es dir erlaubt. Das würde mein Mann auch sofort tun. Ich als Frau, im Beruf und 6. Kinder liegt es eher an mir, den Schritt rückwärts zu tun. Ich gehe ins Training, wenn ich von de Arbeit heim komme, Schule gemacht, Hausarbeit erledigt, Arzttermin mit den Kindern erledigt habe und Abendessen vorbereitet habe. Eigentlich fix und fertig bin. Kaufe ich los.. Die Vorbereitung ist spontan, je nach Zeit. Ich habe den Traum, den gesamten TAR 2023 zu tun, falls ich das Geld habe und meine Achillissehne mitmacht. Das wünsche ich mir auch und verstehe deine Freude. mei Glückwünsche, zum 2. Kind, deiner tollen Frau und deiner tollen Laufpartnerin. Gruß Michaela Jilg

    • WeRun4Fun e.V. (Benjamin)
      2 Monaten ago

      Ja, dann wäre ich (ohne ihr böse gewesen zu sein) daheim geblieben.
      Obwohl es nach der Erlaubnis dennoch keine leichte Entscheidung für mich war…

      Ich drücke dir die Daumen, dass es für dich nächstes Jahr klappt und vlt sieht an sich ja dann beim TAR 23 😉

  • Glückwunsch lieber Benni zu dem fantastischen Ergebnis und deiner starken Partnerin und natürlich auch Glückwunsch zur Geburt von Felix🥂👍

  • Unfassbar. Mega enorme Leistung. Herzlichen Glückwunsch. Super gemacht.

  • Super Leistung und danke für den Top Bericht was 2019 dabei und weis was es heisst beissen. Gruss Aus der Schweiz

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