Manchmal sind es genau die Veranstaltungen abseits der ganz großen Bühnen, die einen besonders in Erinnerung bleiben. Der Mountainman Wintertrail in Reit im Winkl gehört definitiv dazu.
Eine sehr offene, freundschaftliche Atmosphäre, viele bekannte Gesichter aus der Szene und genauso viele neue Begegnungen – alles ganz zwanglos und locker. Genau so, wie wir Trailrunner es mögen. Eine schöne Alternative zu manch größeren Events, die durch Kommerzialisierung und fehlende Nachfolge mittlerweile einen etwas anderen Anstrich bekommen haben.
Schon kurz nach dem Start wurde klar: Das wird heute ein ganz besonderer Lauf. Überall Schnee und Eis. Spätestens nach etwa zehn Kilometern waren Grödel Pflicht – und für meine Stöcke, Markenware eines durchaus bekannten Herstellers, der qualitativ nicht immer an seine eigenen Maßstäbe heranreicht, war ich an diesem Tag tatsächlich sehr dankbar.
Die erste Verpflegung (V1) habe ich leider komplett verpasst.

Voll im Flow bin ich einfach mit den anderen Läufern dran vorbei gezogen. Im Nachhinein erinnere ich mich: Da hing sogar eine Mountainman-Fahne… aber ich habe zu dem Zeitpunkt nichts hinterfragt und bin einfach weiter geballert. Erst viel später wurde mir klar, die Chance auf einen Snack, die hast du verpasst!
Bergauf wurde es dann zunehmend anstrengend. Der viele sulzige Schnee hat ordentlich Kraft gekostet. V2 entschädigte dafür mit spektakulärer Stimmung: jede Menge Auswahl bei der Verpflegung, viele Zuschauer und Läufer, die kurz vor dem Start ihres eigenen Abenteuers standen. Eigentlich ein Moment zum Durchatmen und Genießen – aber ich lag überraschend gut im Rennen.
Mein Plan war klar: Noch eine fünf Kilometer Schleife hier oben, danach ein Downhill, der mir liegen sollte, und anschließend nur noch drei flache Kilometer ins Ziel.

Eine Zeit unter vier Stunden hielt ich unter diesen Bedingungen für noch realistisch. Was später auf der Uhr stehen sollte, hätte ich selbst nicht erwartet.
Also weiter in die Schleife – vorbei an den Läufern der kürzeren Distanzen, die voller Vorfreude auf ihren Start warteten.
Die Strecke dort oben ist nicht umsonst ein Panorama-Wanderweg: landschaftlich wirklich wunderschön. Aber auch hier wieder: alles voller schwerem, sulzigem Schnee. Kräftezehrend.
Bei V3 angekommen – praktisch wieder zurück bei V2 – zeigte die Uhr immer noch eine bessere Zeit als gedacht. Also kein Stopp, kein Auftanken, kein längerer Schnack mit den anderen Läufern. Die Fleischpflanzerl sahen verführerisch aus, keine Frage. Stattdessen direkt zurück auf den Weg, den ich mich vorher hochgekämpft hatte. Und plötzlich wurde mir klar: Da kamen noch ziemlich viele Läufer mit der gleichen Startnummerfarbe den Berg hinauf. Ich lag wirklich gut im Rennen.
Für einen absolut semiprofessionellen, biertrinkenden und das Leben genießenden Läufer mittleren Alters fühlte sich das schon ziemlich großartig an.
Der Downhill war dann genau das, worauf ich gehofft hatte: viel sulziger Schnee, wenig Grip, viel Schlitterei und ein wildes Zappeln der Arme zur Balance. Kurz gesagt: genau mein Ding. Geschwindigkeit bringt Sicherheit – wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Heulen können wir später.
Mit etwa 4er Pace ging es den Berg hinunter bis zur V4. Und dort habe ich mir – Zeit hin oder her – erstmal eine Portion Kaiserschmarrn gegönnt.

Originell, lecker und irgendwie auch witzig. Überraschend viele Läufer sind hier einfach vorbeigelaufen. Vielleicht lag es an der Zielnähe oder daran, dass die Labe ein paar Meter abseits stand. Und wenn nach so einem Downhill die Beine brennen, ist manchmal wirklich jeder Schritt einer zu viel, ich verstehs ja, ich leide da auch mit.
Die letzten drei Kilometer Richtung Ziel waren dann nochmal richtig zäh. Aber das Team an der Strecke pusht einen weiter – und spätestens wenn man die Moderation aus dem Zielbereich hört, ist ohnehin alles egal. Dann wird einfach nochmal alles rausgehauen.

Am Ende stand tatsächlich eine Zeit von unter 3:30 Stunden auf der Uhr – und damit ein Platz irgendwo im vorderen Drittel des Feldes. Das passiert mir sonst eher selten. Normalerweise bin ich der gemütliche Läufer, der einen Flachmann im Rucksack hat und sich an den Verpflegungsstellen ausgiebig mit den Supportern „Austauscht“.
Was für ein Ergebnis. Was für ein Tag.
Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Wer technisch verblockte Singletrails sucht, wird beim Mountainman eher nicht fündig. Die Strecke führt überwiegend über breite Ziehwege – an diesem Tag zu rund 90 % schneebedeckt. Eine ganz eigene Herausforderung, aber eben kein klassisches, technisches Trailrennen.
Der Stimmung hat das allerdings keinen Abbruch getan. Eine vierstellige Zahl an Läuferinnen und Läufern stand am Start – und im Ziel wurden alle mit einem breiten Grinsen empfangen. In Zeiten, in denen die Kooperation aus Ironman und UTMB unseren familiären und freiheitsliebenden Sport immer stärker kommerzialisiert und mit Regeln überschüttet, die wir nicht benötigen war und wird es mir eine Freude sein das Format des Mountainmans auch weiterhin zu besuchen und weiterzuempfehlen.
