4Trails – 3. Tag

Der erste besorgte Blick aus dem Fenster zeigte vor allem Nebel – aber zunächst keinen Regen. Der sollte aber leider nicht lange auf sich warten lassen. Nach dem Frühstück fuhr uns Thomas zum Start, der nicht weit weg von unserem Hotel war. Dort regnete es dann doch wieder und so machte mir die Klo-Schlange heute gar nichts aus. Dort standen wir wenigstens im Trockenen. Ich fand wieder Lena und Katrin und stellten uns zusammen in Block A auf. Ein Selfie vor dem Start musste auch noch sein 🙂

Gestern Abend bei der Pasta-Party (dieses Mal wirklich mit Pasta, die war megalecker) war schon angekündigt worden, dass die heutige Strecke aufgrund des schlechten Wetters geändert und damit kürzer wurde: Statt der ursprünglich geplanten 23,9 km waren 2,5 km weniger, also „nur“ 21,4 km zu meistern. Außerdem fielen 250 Höhenmeter – sprich: der zweite Gipfel – weg. Schade eigentlich, aber es gilt natürlich: Safety first. Es regnete auch fast den ganzen Vormittag und die Anstiege waren sehr steil und felsig – zudem warteten Schneefelder auf uns. Das gefürchtete Gewitter blieb zwar aus – aber vermutlich war es trotzdem eine weise Entscheidung gewesen.

Schon nach der ersten Versorgungsstation, die nach etwa 5 km auftauchte, ging es praktisch in die Vertikale. Wir schlängelten uns die Hänge entlang, die Kette aus bunten Jacken, Rucksäcken und Stöcken, die ich vor mir sah, zog sich scheinbar endlos hin. Apropos Stöcke: Heute war ich zutiefst dankbar über diese – von mir sonst manchmal als Feind betrachteten oder verachteten – Werkzeuge. Ein supernetter Läufer hinter mir sah, wie ich mich mühsam und etwas hilflos über die Schneefläche plagte – natürlich ohne Stöcke. Er bot mir einen von seinen beiden an. Dankbar nahm ich die Unterstützung an und so manövrierten Christian (so hieß der nette Kerl) und ich uns über dieses Hindernis. Mitten im Aufstieg hatten uns Helfer außerdem dazu angehalten (im wahrsten Sinne des Wortes), unsere Pflichtausrüstung herauszuholen: Es herrschte strenge Jacken- und Mützenpflicht. Im ersten Moment hatte ich keine Lust, zu stoppen und in meinem Rucksack zu wühlen. Gerade weil mir so kalt war, wollte ich ja unbedingt schnell weiter. Aber die Leute hatten vollkommen Recht: es war schweinekalt hier oben und man lief Gefahr, auszukühlen. Außerdem: Wenn alle anhalten, verliert man kaum Zeit und kann an seinen „Zugpferden“ dranbleiben.

Ich blieb erst mal hinter Christian. Ein paar Leute vor mir sah ich Johannes kraxeln, also war ich in bester Gesellschaft. Lena war zwar anfangs mit Johannes und mir gelaufen, hatte aber schnell – zuerst mich und dann auch ihn – hinter sich gelassen. Sie hatte heute wohl einen richtig guten Tag, das freute mich sehr, denn sie hatte von Knieproblemen erzählt und sich heute morgen eben jenes Bauteil noch tapen lassen. Toll, dass es nun wieder so gut vorwärts ging bei ihr. Ich hatte heute lange gebraucht, um meinen Rhythmus zu finden. Meine Beine fühlten sich etwas schwer an und ich war irgendwie etwas platt. Es war gut, dass wir auf dem Berg eher gemütlich unterwegs waren, so konnte ich meinen Puls ruhig halten und fühlte mich nach und nach immer besser. Am Gipfel wartete Johannes auf mich, er hatte schon tolle Fotos gemacht und nun machten wir noch ein paar zusammen, bevor es in den Downhill ging. 

Dieser war zunächst sehr steil und geröllig – promt schaufelte ich mir eine ganze Ladung fieser spitzer Sternchen in meine Schuhe. Das war sehr unangenehm und ich wollte sie an der nächsten Versorgung unbedingt wieder loswerden. Ansonsten machte der Downhill unheimlich Spaß, wir düsten über Wiesenstreifen, Felsen und Geröll, ich war richtig schön im Flow und genoss die Natur um mich herum. Auch der Regen hatte wieder nachgelassen. Nass war ich natürlich trotzdem – und zwar durch und durch. Ich ließ die Regenjacke trotzdem an, und auch die Mütze. So konnte mein Kopf schon nicht so schnell auskühlen. Johannes war mir auf den Fersen. Es kamen einige „Foto-Points“, ich blödelte ein bisschen rum und war super drauf. Dann tauchte auch schon bald die nächste Versorgungsstelle auf, wo ich mich endlich von den Piesakern in meinen Schuhen befreite. Katrins Papa war auch dort, er rief mir ein paar aufmunternde Worte zu, was mich sehr freute. Dann füllte ich noch kurz meine Wasserreserven auf, futterte ein paar Gummibärchen und weiter ging’s. 

Ich lief ein Stück auf einer Höhe mit Johannes, der bekam aber einen Energieschub, als er Mario, mit dem er gestern gelaufen war, am Horizont entdeckte – und war erst mal weg. Ich ließ sie laufen und genoss die Wälder und Wiesen. Doch irgendwie lief es dann bei mir plötzlich auch besser und ich sah die Jungs in erreichbarer Nähe vor mir. Also nix wie dranbleiben. Schon kam auch das „5 km to go“ Schild. Ich war top motiviert. Zeit für ein bisschen Geplauder mit Mario und seinem Laufkumpanen, der lustigerweise auch Johannes heißt- also Johannes mal zwei, Mario und ich. In dieser Konstellation meisterten wir die letzten Kilometer über Stock und Stein – und stürmten gemeinsam die Ziellinie. Mit einem Strahlen im Gesicht trotzten wir Regen und Blitzlichtgewitter (vor allem Johannes wurde abgelichtet, ich hatte heute ausnahmsweise kein Team-Shirt an, sondern nur den Vereins-Buff). Werun4Fun, woohooo 🙂 Ein toller Tag. Und wir hatten die Strecke sogar unter 3 Stunden geschafft-  das hatte ich gar nicht erwartet. Nun hieß es aber: Erst mal alles trocken legen und im Hotel aufwärmen.

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