Hinnerks road to Innsbruck

Noch voller Eindrücke und Emotionen versuche ich euch ein bisschen über meinen Lauf zu erzählen.
War ich ein paar Tage vor dem Lauf noch recht entspannt, war es am letzten Tag schon um einiges unruhiger in mir. 
Sollte es heute wirklich der Tag sein, auf den Du schon seit 9 Monate darauf
trainiert hast ?

 

Los gehts 🙂

Nun, die Startnummer hast ja jetzt in der Hand, wird wohl jetzt schon so sein. Ein paar Stunden später stehe ich mit einigen anderen schon am Start, die erste Gruppe ist schon raus, dann ertönt auch schon der Startschuss für unsere Gruppe und es geht raus in die Innsbrucker Nacht. Früher konnte ich mir es nicht vorstellen, durch die Nacht zu laufen. Durch die selbst organisierten Ultras zusammen mit Catha Le und Nann Ette konnte ich hier im Vorfeld schon etwas an Erfahrungen sammeln.
 
 
Der erste VP Punkt war Telfes. Ich kam gut in den Rhythmus und langsam wich auch die Aufregung aus meinen Körper. Nur das Tempo im Feld war mir etwas zu schnell. Ich sagte zu mir, der Tag wird noch lang genug, lass Dir Zeit.
So lief einer nach den anderen an mir vorbei. Egal ich fühlte mich wohl mit meinem Tempo und das war mir das wichtigste. Nach Telfes ging es hoch zur Mutterer Alm. Diesen Abschnitt bin ich vor drei Wochen schon mal im Training hochgelaufen und konnte mich selbst im Dunkeln , an so manche Stellen erinnern. Morgens um 3.30 war ich dann oben. Ein Wunderschöner Blick über die Stadt belohnten mich für die Anstrengung. Schnell wieder alles auffüllen an Flüssigkeit ( 2 Liter ), da es in der Nacht doch etwas schwül für mich war und ich dabei viel an Flüssigkeit verlor. Jetzt ging es bergab nach Birgitz. Eigentlich meine Schokoladenseite und ging hier im Vorfeld davon aus, etwas Zeit gut zu machen. Ich weiß wirklich nicht viel mehr über den Abschnitt, nur das der sich sooooo lange angefühlt hat und ich mir nicht mehr so sicher war, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin…

 
Aber die Markierungen an der Strecke gaben mir die Sicherheit wieder zurück.
 

und doch falsch gelaufen 🙁

Leider fühlte ich mich zu sicher , vier Läufer um mich herum, konzentrierte ich nicht mehr auf die Streckenmarkierung. Es ging auch stedig bergauf,Auf einmal hörten wir ein lautes schreien, ihr seit falsch. Ihr müsst hier hoch.
Ich sah nach oben , ich sah die anderen an, zuckten mit den Schultern und liefen das ganze Stück wieder runter, bis zum Einstieg zur anderen Seite. Und dann hoch. Den ganzen Vorsprung auf die erste Cut off Zeit verspielt…..
Klar könnte ich jetzt sagen, die Strecke war schlecht ausgeschildert.
ABER andere haben auch den Einstieg gefunden, also wieder selber besser aufpassen. Es hat dann noch gereicht mit der Zeit und nach einer kurzen Stärkung ging es weiter Richtung Höttinger Bild. Hier wurde mir das erste Mal richtig bewusst , was mich in den nächsten Stunden erwartet. Wirklich steile Anstiege über viele Wurzeln, eine Serpentine nach der anderen. Ich traute mich nicht mal mehr nach oben zu sehen. Weit oben sah ich immer die Strinlampen der anderen Läufer. Ich kann euch nicht mehr sagen wie ich da hoch und wieder runter gekommen bin, vielleicht war ich schon im Schlummer Modus.
 

 

endlich Tag 🙂

 Ich kann mich nur noch erinnern, das langsam der Tag erwachte und ich einfach ins Bett wollte und schlafen. Um 7:30 war ich dann an der VP Höttinger Bild. Da ich mich ja verlaufen hatte, standen im Moment 52 KM auf der Uhr. Über 8 Stunden schon auf den Beinen. Hier hatte ich dann auch das erste Mal etwas festes gegessen ( Käse/Wurst/Brot ) Sonst nur flüssig. Danach ging es mir wirklich gut. Keine Strinlampe mehr an und es wurde langsam warm. Auf dem Weg zur nächsten VP Romediwirt, hatte ich mich wieder verlaufen. Bei einer Almhütte war keine Kennzeichnung weder am einen Baum oder am Boden. Ob gerade aus oder rechts, nicht erkennbar. Also dachte ich mir, wenn nichts steht, einfach gerade aus. Nach ein paar hundert Meter kamen mir 3 Läufer entgegen und sagten mir das der Weg falsch ist und wir bei der Hütte rechts müssen. Er hat auf seinem Track an seiner Uhr gesehen. So etwas werde ich mir das nächste Mal auch auf meine Uhr ausspielen.
 
 
Egal, wieder gefühlt, eine halbe Stunde verloren zu haben, ging es zur nächsten VP. Hier merkte ich wieder, dass mir die zweite und wichtigste Cut Off Zeit im Nacken liegt. Nur schnell etwas gegessen , alles wieder auffüllen und weiter zum Herzsee. Hier entscheidet die Zeit, ob es weiter geht für mich, oder nicht, Für einen Hobby Laufer wie mich sind die Cut Off Zeiten schon sehr ambitioniert gewesen. Es verhindert das man die ganzen Eindrücke nicht so richtig auf sich wirken lassen kann. Auch mal ein oder zwei Foto machen kann. Das finde ich etwas schade. Hilft nichts. Jetzt Beine in die Hand nehmen und los zum Herzsee. Um 12:40 musste ich da sein, um 12:21 war ich endlich dort. Ein großer Stein ist mir von Herzen gefallen. Ab jetzt mit etwas weniger Druck die letzten 30 KM bis zu Ziel.

 

weiter zu zweit 🙂

In der Zwischenzeit bin ich auf Catha Le aufgelaufen. Wir vereinbarten das wir bis zum Schluss zusammen bleiben, egal was noch passiert. Schließlich hatten wir in den letzten Monaten viel zusammen trainiert für diesen Lauf. Für uns beide war jetzt nur noch wichtig, das wir aufeinander aufpassen und Gesund ins Ziel kommen. So machten wir uns auf den Weg Richtung Aldranser Alm. Was ich auf den nächsten 8 Kilometer war echt schlimm. Überwiegend nur sehr steile Anstiege über Wurzel, war überhaupt nicht gut für meinen Kopf und meine Beine war. Auf einen der Bilder kann man es gut erkennen. 

 

DNF????

Ich dachte ich komme da oben nie an. Und für mich stand fest. Das ich oben auf der Alm aufhören werden. Der absolute Tiefpunkt hat sich jetzt in meinen Körper festgesessen. Für die knapp 8 Kilometer brauchte ich fast drei Stunden. Endlich oben angekommen erwartete mich meine Frau Andrea und meinte ich sehe ja noch voll gut aus. Wenn Menschen das sagen die dich gut kennen, weißt Du das Du schlecht aussiehst Du schaffst den Rest auch noch, sagte sie nur. Ich kuckte sie an und meinte , ich kann nicht gut aussehen, ich höre jetzt auf. Bist Du verrückt kam mir gleich die Antwort zurück geflogen. Doch jetzt nicht mehr so kurz vorm Ziel. Setzt Dich hin esse und trinke was, dann machst du weiter. Du wirst dich so ärgern wenn du nicht weiter machst. Ja dachte ich mir, eigentlich hat sie recht, wenn ich es nicht probiere werde ich es nie erfahren, ob ich es geschafft hätte. Und umdrehen, wäre jetzt auch blöd. So machte ich mich weiter auf den Weg nach oben, nochmal 700HM sind zu meistern. Kurz Catha Le Bescheid gegebenen das ich schon mal vorgehe und oben auf sie warte.
Schon nach ein paar Minuten merkte ich, dass es mir schon wieder viel besser ging, obwohl es schon recht ordentlich nach oben ging Richtung Zirbenweg auf 2100 Meter. Ich weiß nicht woher die Kraft und die Energie herkam, ich wurde immer schneller und schon nach 2 Stunden war ich am höchsten Punkt der Strecke.
 
 
18 Stunden war ich jetzt schon auf den Beinen. Ich warte oben auf Catha Le die jetzt Probleme hatte, mit schmerzenden Knie, was die nächsten ca.13 KM Downhill sehr schwierig machen sollten. Aber versprochen ist versprochen, wir bleiben zusammen bis wir zusammen die Ziellinie sehen. Und es ging langsam aber konstant nach unten, zwischendurch immer kleine Stop`s, bisschen aufbauende Worte für Catha und weiter ging es nach unten.

 

ab in die 2. Nacht und ins ZIEL 🙂

Langsam wurde es wieder Dunkel, die Sonne verschwand hinter den Bergen. In den Moment dachte ich nur, Wahnsinn im Dunkeln gestartet , die ganze Nacht und den Tag durchgelaufen, jetzt bricht wieder die Dunkelheit rein. Ich nochmal die Strinlampe aus den Rucksack raus, damit es nicht noch ein schlimmer Sturz auf den steilen Passagen runter zu passiert. Irgendwann hörten wir schon leise den Sprecher im Ziel und ich musste bald haben wir es geschafft, bald müssten wir wieder im Ort sein. Auf einmal waren wir auf der geteerten Straße, nochmal an einer Biergarten vorbei und ab Richtung Ziel. Immer näher und lauter hörten wir die Musik im Ziel.
 
 
Wir sammelten nochmal all unsere Kräfte und liefen nach 21 Stunden und 19 Minuten Glücklich durch Ziel. Der Veranstalter hatte doch noch ein einsehen und verlängerte die Cut-Off Zeit auf 24 Stunden. Jetzt wo ich das alles hier so schreibe, kann ich es immer noch nicht richtig begreifen, wie ich das schaffen konnte. So viel gekämpft und gelitten hatte ich noch nie.

 

EIN TRAUM WIRD WAHR 

Aber ich wollte diese Erfahrung machen, einmal in meinem Leben einen 100 KM Lauf in den Alpen laufen. Es war immer mein großer Traum gewesen. An diesen 12.9.2020 um 20:30 ging mein Traum in Erfüllung. Ich kann mich nur nochmal herzlich bei allen bedanken für das Daumen drücken, für die vielen positiven Rückmeldungen. An meiner Frau Andrea, die immer mir den Rücken freigehalten hat, damit ich das umfangreiche Training überhaupt machen konnte und an Catha Le und Nann Ette, meinen beiden Laufbuddies für die vielen gemeinsamen Trainingskilometern .

Vieeelen Dank!!!!!!

2 Responses to “Hinnerks road to Innsbruck

  • Heinz Ritschard
    2 Wochen ago

    Ganz toll geschrieben und herzliche Gratulation zum finish 👍👍👍💪💪💪💪💪💪

    • WeRun4Fun e.V. (Benjamin)
      3 Tagen ago

      Danke 🙂
      Finde bei Hinnerks Bericht fühlt man richtig wie er es wollte und gekämpft hat.

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